Steuerklasse 3/5: Vor- und Nachteile für Ehepaare
Veröffentlicht am 15. Mai 2026
Steuerklasse 3/5: Lohnt sich die Kombination?
Viele Ehepaare wählen die Steuerklassenkombination 3/5, weil der Hauptverdiener in SK3 mehr netto bekommt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wir erklären die vollständige Rechnung.
Wie funktioniert die 3/5-Kombination?
Steuerklasse 3 (Hauptverdiener):
- Doppelter Grundfreibetrag (2026: 2 × 12.348 € = 24.696 €)
- Günstiger Steuertarif
- Niedrigste monatliche Steuerbelastung aller Klassen
- Kein Grundfreibetrag
- Kein Arbeitnehmer-Pauschbetrag
- Höchste Steuerbelastung aller Klassen
- Oft sehr wenig netto trotz ordentlichem Gehalt
Wann ist 3/5 sinnvoll?
3/5 eignet sich wenn:
- Ein Partner verdient deutlich mehr als der andere (Faustregel: mehr als das 1,5-fache)
- Der Geringverdiener hat kaum eigene Steuerlast (z.B. Minijobber, Teilzeit unter 1.200 €)
- Das Paar steuert bewusst eine Nachzahlung in Kauf (für mehr monatliche Liquidität)
- Der SK3-Partner höhere Sozialleistungen möchte (ALG I, Krankengeld basieren auf Brutto nach Steuer)
- Beide ähnlich viel verdienen → SK5-Partner hat zu viel Steuer, massive Erstattung nötig
- Der SK5-Partner auf hohe Sozialleistungen angewiesen ist (die sich am versteuerten Einkommen orientieren)
- Das Paar die Pflicht-Steuererklärung vergisst oder übersieht
Rechenbeispiel: 3/5 vs. 4/4
Paar in NRW, 2026:
- Partner A: 5.000 € Brutto/Monat
- Partner B: 2.000 € Brutto/Monat
- Keine Kinder, GKV
- Netto Partner A: ca. 3.300 €/Monat
- Netto Partner B: ca. 1.470 €/Monat
- Gesamt-Netto: ca. 4.770 €/Monat
- Jahressteuererklärung: meist geringe oder keine Nachzahlung
- Netto Partner A (SK3): ca. 3.800 €/Monat
- Netto Partner B (SK5): ca. 1.020 €/Monat
- Gesamt-Netto: ca. 4.820 €/Monat
- Jahressteuererklärung: oft Nachzahlung von mehreren Hundert Euro
Pflicht zur Steuererklärung bei 3/5
Ehepaare mit der Kombination 3/5 sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das Finanzamt stellt dann die tatsächliche gemeinsame Steuerlast fest und berechnet eine Nachzahlung oder Erstattung.
Alternative: 4/4 mit Faktor
Die oft beste Lösung für Ehepaare mit unterschiedlichen Gehältern:
- Beide bleiben in SK4
- Ein Faktor wird berechnet, der die Steuerlast proportional aufteilt
- Keine oder nur minimale Nachzahlung am Jahresende
- Keine Pflicht zur Steuererklärung (außer wenn anderweitig begründet)
Sonderfall: Ein Partner arbeitet nicht
Wenn Partner B gar nicht arbeitet (z.B. wegen Kinderbetreuung):
- Partner A → SK3 (doppelter Grundfreibetrag)
- Partner B → keine Steuerklasse (keine Einkünfte)
- Hier ist SK3 eindeutig vorteilhaft
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