Versicherung7 Min. Lesezeit

Freiwillige Rentenversicherung: Lohnt sich Einzahlen?

Veröffentlicht am 25. Juli 2026

Freiwillige Rentenversicherung 2026: Alles Wichtige

Nicht alle Arbeitnehmer sind automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Wer aus dem Versicherungspflicht-System herausfällt, kann sich freiwillig versichern. Wir erklären, für wen das sinnvoll ist.

Wer kann freiwillig einzahlen?

Freiwillige Beiträge können zahlen:

  • Selbstständige und Freiberufler (die nicht pflichtversichert sind)
  • Hausfrauen/-männer ohne eigene Erwerbstätigkeit
  • Arbeitnehmer im Ausland ohne deutsche Versicherungspflicht
  • Deutsche im Ausland (um Lücken zu schließen)
  • Frühzeitig ausgeschiedene Arbeitnehmer (vor 16. Lebensjahr)
Nicht möglich: Wer bereits pflichtversichert ist (Angestellte, bestimmte Berufsgruppen) kann keine zusätzlichen freiwilligen Beiträge in die gesetzliche RV zahlen.

Beitragshöhe 2026

Mindestbeitrag100,07 €/Monat
|---|---|
Maximalbeitrag1.404,90 €/Monat (18,6% von 8.050 €)
Die Beitragshöhe kann monatlich variiert werden und muss nicht konstant sein. Beiträge können auch für das Vorjahr noch bis zum 31. März des Folgejahres nachgezahlt werden.

Was bringt ein Rentenpunkt 2026?

1 Rentenpunkt = 38,02 €/Monat Rente (2026)

Um einen Rentenpunkt zu kaufen, muss der Beitrag der durchschnittlichen Rentenversicherungsleistung eines Jahres entsprechen:

  • Durchschnittsjahresverdienst 2026: ca. 45.358 €
  • Beitragssatz: 18,6%
  • Preis für 1 Rentenpunkt: 45.358 × 18,6% = 8.437 € (Jahresbeitrag)
Das entspricht einer Rendite von ca. 5,4%/Jahr (38,02 €/Monat × 12 ÷ 8.437 €) – solange der Rentenpunktwert nicht sinkt.

Lohnt sich der freiwillige Beitrag?

Pro (freiwillige Einzahlung lohnt sich):

  • Wenn sonst keine ausreichende Altersvorsorge besteht
  • Wenn der Rentenpunktwert stabil bleibt oder steigt
  • Wenn man Anspruch auf Erwerbsminderungsrente sichern möchte (mind. 5 Jahre Pflichtbeiträge nötig)
  • Für Mütter/Väter mit Kindererziehungszeiten (Aufstockung möglich)
Contra (Alternativen können besser sein):
  • ETF/Aktienmarkt kann langfristig höhere Renditen bieten
  • Weniger Flexibilität als private Anlage
  • Demografischer Druck: Rentenpunktwert könnte zukünftig sinken
Empfehlung: Freiwillige RV-Beiträge sind besonders attraktiv für ältere Selbstständige, die kurz vor dem Rentenalter stehen und Beitragslücken schließen wollen.

Beiträge für Kindererziehungszeiten

Elternteile (meist Mütter), die wegen Kindererziehung nicht gearbeitet haben, erhalten automatisch 3 Jahre Kindererziehungszeit als Rentenpunkte gutgeschrieben – je Kind 1 Rentenpunkt pro Jahr.

Sie können diese Zeiten mit freiwilligen Beiträgen aufstocken, um mehr Rentenpunkte zu erwerben.

Steuerliche Absetzbarkeit

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung (auch freiwillige) sind als Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar:

  • 2026: bis zu 29.344 €/Jahr (Höchstbetrag, je nach Jahreseinkommen)
  • Bei hohem Einkommen: bis zu 100% der tatsächlichen Beiträge absetzbar
Das bedeutet: Effektiv kostet ein Euro freiwilliger Beitrag nur 60–70 Cent netto (je nach Steuersatz).