Versicherung9 Min. Lesezeit

Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Steuervorteile nutzen

Veröffentlicht am 10. April 2026

Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Der vollständige Leitfaden

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eine staatlich geförderte Form der Altersvorsorge, die über den Arbeitgeber abgeschlossen wird. Durch die Kombination aus Steuervorteilen und Arbeitgeberzuschuss ist sie für viele Arbeitnehmer sehr attraktiv.

Was ist die betriebliche Altersvorsorge?

Bei der bAV zahlt der Arbeitnehmer Beiträge direkt aus dem Bruttogehalt in einen Altersvorsorgevertrag – das nennt sich Entgeltumwandlung. Diese Beiträge sind bis zu bestimmten Grenzen steuerfrei und sozialabgabenfrei. Im Rentenalter werden dann Leistungen ausgezahlt, die dann voll zu versteuern sind.

Steuerfrei- und Sozialabgabenfreiheit 2026

GrenzeBetrag/JahrBetrag/Monat
|---|---|---|
Steuer- und SV-frei4% der RV-BBG = 4% × 96.600 €322 €/Monat
Nur steuerfrei (zusätzlich)Weitere 4% der RV-BBGWeitere 322 €/Monat
Gesamt max. steuerfrei8% = 7.728 €/Jahr644 €/Monat

Pflichtzuschuss des Arbeitgebers

Seit 2022 sind Arbeitgeber bei Neuverträgen zur Entgeltumwandlung verpflichtet, einen Zuschuss von 15% auf den Einzahlungsbetrag des Arbeitnehmers zu zahlen – sofern sie durch die Entgeltumwandlung Sozialabgaben sparen.

Das ist ein erheblicher Bonus: Wer 200 Euro einzahlt, bekommt automatisch 30 Euro vom Arbeitgeber dazu.

Detailliertes Rechenbeispiel

Szenario: Arbeitnehmer zahlt 200 Euro/Monat in die bAV ein.

PostenBetrag
|---|---|
Entgeltumwandlung (Bruttominderung)-200 €
Steuerersparnis (~35% Grenzsteuersatz)+70 €
SV-Ersparnis (~20,5%)+41 €
Effektiver Netto-Eigenanteil89 €/Monat
Arbeitgeberzuschuss (15%)+30 €
Tatsächlich in bAV230 €/Monat
Für einen effektiven Eigenanteil von 89 Euro monatlich werden 230 Euro angespart.

Die 5 Durchführungswege der bAV

Es gibt verschiedene Formen der bAV, die unterschiedliche Vor- und Nachteile haben:

1. Direktversicherung – Lebensversicherung direkt auf Arbeitnehmer (häufigste Form) 2. Pensionskasse – Genossenschaftlich organisierter Versorgungsträger 3. Pensionsfonds – Kapitalmarktorientiert, potenziell höhere Rendite, mehr Risiko 4. Unterstützungskasse – Betriebliche Stiftung, keine gesetzliche Begrenzung der Beiträge 5. Direktzusage – Arbeitgeber garantiert direkt die Leistung, Rückstellungen in der Bilanz

Für die meisten Arbeitnehmer ist die Direktversicherung der einfachste Weg.

Nachteile der bAV

Die bAV hat auch Schattenseiten, die Sie kennen sollten:

1. Niedrigere gesetzliche Rente: Durch die niedrigere Bruttolohnsumme (Entgeltumwandlung) sammeln Sie weniger Rentenpunkte. Das führt zu einer leicht niedrigeren gesetzlichen Rente.

2. Niedrigere Sozialleistungen: ALG I, Krankengeld und Elterngeld werden aus dem tatsächlichen Brutto berechnet. Bei Entgeltumwandlung ist das Brutto niedriger → niedrigere Leistungen.

3. Steuerpflicht im Rentenalter: Die bAV-Leistungen sind im Rentenalter voll zu versteuern und GKV-pflichtig (Kranken- und Pflegeversicherung). Das mindert die tatsächliche Auszahlung deutlich.

4. Arbeitgeberwechsel: Bei einem Jobwechsel kann die bAV mitgenommen werden (Portabilität), aber dies ist nicht immer problemlos. Prüfen Sie die Bedingungen.

Wann lohnt sich die bAV besonders?

  • Wenn der Arbeitgeber einen hohen Zuschuss zahlt (über 15%)
  • Bei hohem Steuersatz (über 35% Grenzsteuersatz)
  • Wenn Sie eine lange Ansparphase haben (über 20 Jahre)
  • Wenn Sie im Rentenalter einen niedrigeren Steuersatz erwarten als jetzt
Berechnen Sie Ihren Steuervorteil mit unserem Brutto-Netto-Rechner.